In Deutschland kochen alle . . .

. . . in Afghanistan meist nur die Frauen! In vielen deutschen Familien ist Kochen keine Frauensache mehr. Männer stehen hier oft genauso selbstverständlich in der Küche wie Frauen. Manche backen Kuchen am Wochenende, andere bereiten das Abendessen vor oder probieren neue Rezepte aus. In Deutschland gehört das zum Alltag, und auch zum Respekt in der Familie. 

Viele Männer sagen: Wenn wir zusammenleben, sollen wir auch zusammenarbeiten. Das Kochen wird hier als gemeinsame Aufgabe gesehen, nicht als Pflicht einer Person. In Fernsehsendungen, Schulen und sogar in Firmen Küchen wird gezeigt, dass Kochen Spaß machen kann, egal ob Mann oder Frau.

 

In Afghanistan ist die Situation ganz anders. Dort gehört die Küche meistens den Frauen. Schon junge Mädchen lernen, wie man Reis, Gemüse oder Kabuli kocht, während viele Jungen nur selten in die Küche gehen.  

Männer, die kochen, werden oft mit Überraschung angesehen, manchmal sogar mit Kritik. Besonders in Dörfern oder in sehr traditionellen Familien ist es noch immer ungewöhnlich, wenn ein Mann am Herd steht.

 

Wenn Gäste kommen, werden viele verschiedene Speisen vorbereitet, manchmal mehr als zehn. Das Essen wird traditionell auf einem großen Tuch auf dem Boden serviert, nicht auf einem Tisch. Diese Art der Bewirtung zeigt die große Gastfreundschaft der Menschen, aber auch, wie stark die Aufgaben in der Küche meist von den Frauen getragen werden.

 

In Deutschland ist es einfacher und praktischer. Oft gibt es nur ein Hauptgericht, vielleicht einen kleinen Nachtisch oder Salat. Hier zählt nicht die Menge, sondern das gemeinsame Essen selbst, das Zusammensein, das Gespräch am Tisch. Und viele Männer helfen mit: sie schneiden das Gemüse, decken den Tisch oder spülen danach ab.

 

In Deutschland bedeutet das gemeinsame Kochen mehr als nur Essen zuzubereiten. Es stärkt das Gefühl von Partnerschaft. Wenn ein Mann kocht, zeigt er damit auch Wertschätzung für seine Familie. Kinder erleben, dass jeder helfen kann, egal ob Jungen oder Mädchen. So lernen sie schon früh, dass Gleichberechtigung nicht nur ein Wort ist, sondern eine Haltung im täglichen Leben.

 

Ein älterer deutscher Mann aus Bruchhausen-Vilsen erzählte einmal mit einem Lächeln: »Früher hat meine Frau immer gekocht. Heute mache ich es oft selbst, und sie genießt endlich ihr Essen warm!«

 

Das gemeinsame Kochen zeigt, wie sich Rollenbilder verändern können, friedlich, praktisch und mit einem guten Geruch aus der Küche. Für viele Migrantenfamilien ist das eine schöne Möglichkeit, von der deutschen Kultur zu lernen und in der eigenen Familie neue Wege zu gehen. Denn Gleichberechtigung beginnt nicht in der Politik, sondern zu Hause, vielleicht beim nächsten gemeinsamen Abendessen.

 

Hedayatullah Zyarmal

Bruchhausen-Vilsen Oktober 2025