Alt sein in Deutschland: Respekt, Unterstützung und aktive Teilhabe!

 An einem ruhigen Mittwochnachmittag in Bruchhausen-Vilsen sitzt eine Gruppe älterer Menschen in einem kleinen Café. Sie trinken Kaffee, lachen und erzählen Geschichten aus ihrer Jugend. Viele von ihnen leben allein, manche sind verwitwet. Trotzdem wirken sie zufrieden und selbstständig. In Deutschland ist das ganz normal: Ältere Menschen sind ein aktiver Teil der Gesellschaft, sie bleiben in Bewegung, engagieren sich freiwillig oder treffen sich regelmäßig mit Freunden.

 In vielen Städten gibt es Seniorenzentren, Nachbarschaftsgruppen und Vereine, die spezielle Programme für ältere Menschen anbieten. Dort können sie Sport treiben, basteln, Musik hören oder einfach miteinander reden. Freiwillige besuchen sie zu Hause, helfen beim Einkaufen oder begleiten sie zu Arztterminen. Durch Renten, Krankenversicherungen und Pflegedienste sorgt der Staat dafür, dass niemand vergessen wird. So fühlen sich die meisten Seniorinnen und Senioren sicher und wertvoll, sie wissen, dass ihr Leben auch im Alter Sinn hat. 

Ein gutes Beispiel ist das Projekt Lebenswege Begleiten in Bruchhausen-Vilsen. Seit über elf Jahren organisiert diese Initiative viele Aktivitäten, von Sprachkursen und Handarbeitsgruppen bis zu kulturellen Begegnungen zwischen Einheimischen und Migranten. 

Auch für ältere Menschen gibt es Angebote, damit sie aktiv bleiben, neue Kontakte finden und Unterstützung bekommen. Viele Helferinnen und Helfer, darunter auch Rentner, engagieren sich regelmäßig, ohne Bezahlung, aber mit viel Herz. Sie zeigen, dass freiwillige Arbeit ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland ist.

 In Afghanistan ist die Situation ganz anders. Dort ist es selbstverständlich, dass ältere Menschen bei ihren Familien leben. Sie sind das Herz der Familie, und ihr Rat wird sehr geschätzt. Doch Krieg, Armut und fehlende staatliche Unterstützung machen die Pflege älterer Menschen oft schwer. Wenn sie krank werden, gibt es in vielen Regionen keine Ärzte oder Medikamente. Oft bleiben nur die Kinder oder Nachbarn, die helfen können.

In Afghanistan ist der Respekt vor alten Menschen groß, aber meistens emotional, nicht strukturell. Familien möchten für ihre Eltern sorgen, doch Armut und fehlende Möglichkeiten erschweren das. Während in Deutschland Staat, Versicherungen und Vereine Verantwortung übernehmen, liegt in Afghanistan fast alles bei den Familien. Wenn die Familie schwach ist, leidet auch der alte Mensch.

In Deutschland hingegen engagieren sich viele Rentnerinnen und Rentner selbst weiter in der Gesellschaft. Sie helfen in Suppenküchen, lesen Kindern in Schulen vor oder unterstützen Geflüchtete beim Deutschlernen. Dieses freiwillige Engagement ist nicht nur eine Hilfe für andere, sondern gibt auch ihnen selbst das Gefühl, gebraucht zu werden und aktiv zu bleiben.

Für viele Migrantinnen und Migranten ist das eine wertvolle Erfahrung. Sie lernen, dass Verantwortung für ältere Menschen nicht nur Sache der Familie ist, sondern der ganzen Gemeinschaft. Kinder sind die Zukunft, aber ältere Menschen sind die Wurzeln, und ohne starke Wurzeln kann kein Baum wachsen.

 Deutschland zeigt mit seinem sozialen System und der Kultur des Ehrenamts, dass Altwerden nicht das Ende bedeutet, sondern ein neuer Lebensabschnitt sein kann, voller Sinn, Begegnungen und Wertschätzung. Vielleicht kommt eines Tages auch in Afghanistan die Zeit, in der jede ältere Frau und jeder ältere Mann in Sicherheit, Würde und mit einem Lächeln alt werden kann.

 

Von: Hedayatullah Zyarmal

 

Bruchhausen-Vilsen November 2025