Wenn man zum ersten Mal in Deutschland lebt, bemerkt man vieles: offene Straßen, sichere Nachbarschaften und… komplexe Regeln für den Führerschein. Für Migranten aus Ländern wie Afghanistan ist das besonders interessant, weil das System hier sehr anders funktioniert.
In Deutschland ist es Pflicht, einen Führerschein zu machen, bevor man Auto fährt. Der Weg ist klar: Theorie lernen, praktische Fahrstunden nehmen und beide Prüfungen bestehen. Für Migranten kann dieser Weg einfach oder schwierig sein, je nach Sprachkenntnissen und Erfahrung.
Die Theorie-App ist sehr hilfreich, aber nicht alle Sprachen sind verfügbar. Es gibt über 1200 Fragen. Für Arabisch, Russisch, Türkisch oder Spanisch ist das Lernen leichter, weil diese Sprachen unterstützt werden. Für Persisch (Farsi) ist es besonders schwer, vor allem für Personen, die wenig Englisch oder Deutsch sprechen. Ich selbst habe nach zwei Jahren die Theorieprüfung auf Englisch bestanden. Jetzt bin ich in der zehnten Fahrstunde und lerne, sicher in Deutschland zu fahren.
Der Erwerb eines Führerscheins in Deutschland ist jedoch sehr teuer und kostet ungefähr zwischen 2.500 und 4.000 Euro, was für einkommensschwache Familien oft mit Sorgen verbunden ist.
Die Verkehrsregeln in Afghanistan werden oft nicht ernst genommen. In vielen Städten außer Kabul gibt es kaum funktionierende Verkehrszeichen oder Ampeln. Straßen sind oft beschädigt, besonders nach den Kriegen. Autos, Fahrräder und Fußgänger bewegen sich gleichzeitig auf der Straße, was sehr gefährlich ist. Trotzdem bekommen viele Menschen dort einen Führerschein, oft ohne vollständige Prüfung.
In Deutschland zeigt der Führerschein nicht nur die Fahrerlaubnis, sondern auch Wissen, Verantwortung und Respekt vor den Regeln. Für Migranten hat es einen praktischen Vorteil: Wer in kleinen Städten lebt und auf Bus oder Bahn angewiesen ist, bekommt oft keine Arbeitsverträge ohne Führerschein, weil die Zuverlässigkeit des öffentlichen Verkehrs nicht garantiert ist. Ein Führerschein erleichtert Jobsuche und Alltag erheblich.
Trotz der Schwierigkeiten lohnt sich der Weg. Wer Theorie und Praxis meistert, gewinnt Selbstvertrauen und versteht die Regeln. Man lernt nicht nur Auto zu fahren, sondern auch, wie man in Deutschland sicher lebt und Verantwortung übernimmt. Für Migranten ist der Führerschein ein Symbol: Anders als in Afghanistan schützt hier nicht Angst oder Mauern, sondern Wissen, Regeln und Verantwortung.
Von: Hedayatullah Zyarmal
Bruchhausen-Vilsen November 2025
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