In Deutschland haben Vereine und ehrenamtliche Arbeit einen besonderen Platz. Viele Menschen, besonders Rentnerinnen und Rentner, engagieren sich nach ihrer Berufslaufbahn freiwillig in der Gesellschaft. Sie helfen dort, wo der Staat allein nicht alles leisten kann, in Sportvereinen, bei der Feuerwehr, im Umweltschutz oder in der Nachbarschaftshilfe.
So sieht man zum Beispiel regelmäßig Freiwillige, die Parks und Straßen reinigen oder Bäume pflanzen. Auch die Freiwillige Feuerwehr besteht aus Bürgern, die ihre Freizeit opfern, um im Notfall sofort da zu sein. Für viele Menschen in Deutschland ist dieses Engagement selbstverständlich. Es zeigt: Verantwortung tragen heißt nicht nur arbeiten und Steuern zahlen, sondern auch Zeit und Energie für das Gemeinwohl zu geben.
Ein besonders schönes Beispiel ist die Arbeit des Vereins LEBENSWEGEBEGLEITEN. Seit vielen Jahren unterstützt er Familien mit Migrationshintergrund dabei, ein selbstständiges Leben in Deutschland aufzubauen. Das beginnt mit Sprachkursen, geht über Kulturvermittlung und praktische Hilfe im Alltag bis hin zur Förderung beruflicher Fähigkeiten. Ziel ist es, dass Familien unabhängig werden, Arbeit finden und ihre Talente nutzen können.
In Afghanistan dagegen läuft vieles anders. Dort gibt es kaum organisierte Strukturen für freiwilliges Engagement. Wenn Hilfe gebraucht wird, kümmern sich in erster Linie die Familie, Nachbarn oder die Dorfgemeinschaft. Es gibt zwar auch spontane Hilfsaktionen, etwa beim Bau von Häusern, bei Hochzeiten oder Beerdigungen, doch ein festes System mit Vereinen oder ehrenamtlichen Gruppen ist selten. Die politische Unsicherheit und schwache staatliche Strukturen machen es zudem schwer, langfristige Projekte aufzubauen.
Gerade für Migrantinnen und Migranten ist es deshalb eine wertvolle Erfahrung, diese Kultur des Ehrenamts in Deutschland kennenzulernen. Sie sehen, wie wichtig Zusammenhalt ist, auch über die eigene Familie hinaus. Wer sich hier engagiert, lernt nicht nur die Sprache und die Menschen besser kennen, sondern wird auch ein aktiver Teil der Gesellschaft.
Ehrenamt bedeutet in Deutschland: gemeinsam anpacken, füreinander da sein und Vertrauen in das System haben. Für Menschen aus Afghanistan oder anderen Ländern ist das oft neu, aber auch eine Einladung. Denn dort, wo in Afghanistan Mauern, Angst und Misstrauen vorherrschen, zeigen deutsche Vereine und Ehrenamt, wie Offenheit, Vertrauen und Solidarität eine Gesellschaft stark machen können.
Von: Hedayatullah Zyarmal
Bruchhausen-Vilsen Oktober 2025
Lebenswege begleiten e. V.
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